Für eine korrekte Anzeige der Inhalte dieser Website muss die JavaScript Funktion aktiviert werden.

Wir können heute aufgrund der Untersuchungen davon ausgehen, dass die Jungtiererkrankung in 2 verschiedenen Varianten auftritt.

 

1.      Jungtiererkrankung als Faktorenerkrankung infolge Stress – Aufzucht, Absetzen, immunsupressive Phase und  Kontakt zu fremden Tauben. Hier erfolgt eine Infektion mit verschiedenen Erregern. Dies sind vorwiegend Trichomonaden, Hexamithen, Colikeime, Salmonellen, Streptokokken und Kokzidien. Die Symptome dieser Erkrankungsform sind allen Taubenzüchtern bestens bekannt unter dem Namen Mooskrankheit. Diese Erkrankung lässt sich, wenn sie früh genug erkannt wird, einigermaßen gut behandeln und in den Griff bekommen. Leider müssen wir als Tierärzte hier nach heutiger Gesetzgebung häufig vom sogenannten Therapienotstand Gebrauch machen, da geeignete Medikamente aufgrund fehlender Zulassung in Deutschland verboten sind und für andere Tierarten zugelassene Medikamente aus mehr ideologischer wie wissenschaftlicher Begründung nicht mehr einfach bei der Brieftaube eingesetzt werden dürfen.

 

2.      In den letzten Jahren hat sich aufgrund einer mittlerweile nachgewiesenen Circovirusinfektion eine weitere Variante der Jungtaubenerkrankung herausgebildet. Diese Form der Erkrankung ist wesentlich schwieriger zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Spezies der Circoviren ist in landwirtschaftlichen und geflügelbewirtschaftenden Betrieben schon länger bekannt. Die Circoviren befallen zunächst die Jungtauben. Infolge der Schädigung durch die Circoviren kommt es meist zu Folgeinfektionen durch Colikeime, Salmonellen und anderen bakteriellen Keimen. In Verbindung mit den Circoviren wurden ebenfalls Adenoviren nachgewiesen. Da die Circoviren nicht durch Medikamente  behandelbar sind und sehr lange im Tier persistieren, sind die Erkrankungsphasen oft sehr lange. Häufig kommt es auch nach vermeintlichen Behandlungserfolgen zu Rückfällen. Im letzten Jahr sind zudem gehäuft jährige Tauben mit den typischen Symptomen einer Jungtiererkrankung aufgetreten. Eine Behandlung bei dieser Form der Jungtiererkrankung kann daher lediglich in der Behandlung der Sekundärerreger liegen. Hier sollte aufgrund der schlechten Resistenzlage bei Colikeime, Streptokokken und Salmonellen immer eine bakteriologische Untersuchung mit Erstellung eines Antibiogramms erfolgen. Ebenfalls ist es wichtig, die Immunität der Tauben zu stärken und eine entsprechende Hygiene – niedrige Schlagbesetzung, häufige Reinigung, Desinfektion und vor allen Dingen eine entsprechende Quarantäne bei Neukauf von Jungtauben – einzuhalten. Gleichzeitig sollte durch Untersuchung einzelner Tauben und Kotproben sichergestellt werden, dass keine wegbereitenden Erreger, wie Trichomonaden, Hexamithen, Kokzidien und Wurmbefall vorhanden sind.